Der Trimm-Katechismus 
 
Peter Hahne: SEGELTRIMM IN THEORIE UND PRAXIS
126 Seiten, 60 Illustrationen und Fotos. Stuttgart, Pietsch Verlag, 2001.

Da vergnügt man sich seit über 15 Jahren beim Fahrtensegeln und hat nicht mal gewusst - gemerkt vielleicht schon -, dass in der Praxis nicht alles stimmt, was man übers Trimmen gelernt, gelesen, gehört oder sogar angewendet hat. Mal nach Gefühl ein bisschen an den Schoten rumfummeln, den Traveller verstellen, beispielsweise um den angeblichen Düseneffekt zwischen Groß und Fock zu vermeiden, und dann nicht weiter darüber nachdenken. Das aber ist noch lange kein optimales Trimmen. Jedenfalls erfährt man das, sobald man sich mit Peter Hahnes Werk vertraut gemacht hat. Er hat ein ebenso kompetentes wie leicht fassliches und praktikables Handbuch verfasst, und das sind Eigenschaften, die sonst selten vereint sind. Es ist auch für alle Segler geschrieben, denen nach der Lektüre vieler Trimmbücher oder der entsprechenden Kapitel in anderen Werken der Trimm immer noch ein Buch mit sieben Sigeln geblieben ist. Hahne indessen gelingt es, die wissenschaftliche Theorie so klar und verständlich darzustellen, dass die griffig und pfiffig formulierten Regeln für die Praxis sich von selbst ableiten. Seine Ratschläge und Tipps sind prägnant und zuverlässig formuliert für die unterschiedlichsten Wellen- und Windverhältnisse. Und weil der Autor wohl weiß, dass in der Kürze die Würze liegt, hat er die wichtigsten Einstellungen noch einmal auf vier Seiten übersichtlich zusammengefasst.

Peter Hahne war viele Jahre Fachredakteur des renommierten Hamburger Technischen Wassersport-Journals "palstek", für das er wertvolle Beiträge über Boote oder Segeltechnik schrieb. Dennoch haben wir, zugegeben, sein Buch eigentlich ein wenig zögerlich angeschafft, weil im Schapp unserer HOOD 38 bereits einige Literatur über's Trimmen vorhanden ist. Inzwischen allerdings gibt es nur noch das Buch von Peter Hahne. Es ist unser Trimm-Katechismus. Sicher, der Pudding bewährt sich erst beim Essen. Wir haben aber seine Rezepte und Tipps in der Adria auf einem halben Dutzend Törns ausprobiert, und sie haben sich bestens bewährt. 

Kurzweilig geschrieben sind die Eingangskapitel über die Theorie. Strömungsmechanik und Materialkunde von Segelstoffen werden behandelt. Man versteht, wieso ein Topprigg ein anderes Trimm als beispielsweise das Fraktionellrigg erfordert. Begriffe wie "Auftrieb", "Widerstand" (mehr Segel erzeugen mehr Auftrieb, aber auch mehr Widerstand), "Twist" werden knapp aber ausführlich und anschaulich erklärt. Darum kann nach der Lektüre jeder Segler die Regeln für jedes Rigg und jede Situation adäquat aus diesem theoretischen Wissen selbst entwickeln. Wer trotzdem zu bequem ist, um sie sich durchzulesen (wie wir zunächst), und sie für Zeitverschwendung hält, kommt prima auch mit den Handlungsanweisungen zurecht. Die wichtigsten Merkregeln sind im Buch durch blau gerasterte Kästen hervorgehoben. Wer sich daran hält und danach trimmt, kann optimal einstellen. Und spätestens dann, wenn er den Erfolg in der Praxis sieht, fängt er an, neugierig auf die Theorie zu werden.

Eckhart Pilick